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Permanente Bibliotheks-Inventur mittels RFID-Technologie

17. Mai 2010

Ich liebe die Ordnung der Dinge und da gefällt mir dieses Projekt in der Kunstbibliothek des Sitterwerk (in der Schweiz) besonders gut:  Permanente Inventur mittels RFID-Technologie. Besonders gut gefällt mir der Hinweis: Chaotische Lagerung ist platzsparender.

Die Erschliessung der Bibliothek im Sitterwerk für das Publikum erfolgt mittels moderner Technologie: Die Bücher werden mit so genannt intelligenten Etiketten ausgestattet. Diese RFID-Tags, welche auf die Innenseiten der Buchdeckel geklebt werden, enthalten die bibliografischen Angaben in einem Funkchip. Über Radiowellen, Antenne und ein elektronisches Lese- und Schreibgerät können diese Chips mit dem digitalen Katalog in Verbindung gesetzt werden. Die RFID-Technologie wurde bis anhin in Bibliotheken ausschliesslich für die Abwicklung des Leihverkehrs und als Diebstahlschutz verwendet. Anderseits kommt sie häufig in der modernen Lagertechnik zur Anwendung, wo sie eine chaotische und damit platzsparende Lagerung möglich macht. Große und dauernd sich verändernde Bestände z.B. eines Produktionsbetriebs werden dabei nicht räumlich geordnet zwischengelagert, sondern einfach da, wo es gerade Platz hat. Damit diese Lagerung dennoch effizient bleibt, muss das Lagergut immer sofort auffindbar bleiben. Diese permanente Inventur wird mittels Ortung via RFID-Technologie gewährleistet. In der Bibliothek im Sitterwerk werden nun in einem Pilotprojekt ein erstes Mal diese beiden Anwendungen der RFID-Technologie miteinander kombiniert: Das Lesegerät dieser Technik der Radio-Frequenz-Identifikation (RFID) wird neu und vorerst einmalig die ganzen Regale der Bibliothek erfassen können. So wird das lagertechnische Prinzip der permanenten Inventur für die Bibliothek nutzbar gemacht. Dazu muss die Antenne des Lesegeräts mittels einer automatisierten Mechanik an den Bücherregalen vorbeigeführt werden. Aktuell wird diese Mechanik durch den Maschinen-Ingenieur Boris Brun im Rahmen eines Projekts speziell für das Sitterwerk entwickelt, konstruiert, in der Bibliothek eingebaut und in der Anwendung überprüft. Wenn das Ziel erreicht wird, dass schließlich immer von allen Büchern ihr tatsächlicher Standort bekannt ist, werden sich durch diesen innovativen Einsatz der RFID-Technologie in der Bibliotheksverwaltung Perspektiven weit über die Rationalisierung hinaus eröffnen. Der Zwang zur disziplinierten Benutzung der Bibliothek wird hinfällig – jedes Buch kann überall abgelegt werden und bleibt dennoch für alle auffindbar. So ergibt sich eine dynamische Ordnung der Bibliothek, in der Gruppen von Büchern entstehen und wieder zerfallen. Diese bilden die Bezüge ab, wie sie von den einzelnen Benutzern mit ihren unterschiedlichen Zielsetzungen und Arbeitsmethoden hergestellt werden. An den Schnittstellen verschiedener Interessen entstehen durch fruchtbare Zufälle Querverweise, die unerwartete Einsichten zulassen.

Quelle: Sitterwerk