Archive for the 'Hardware' Category

Apple ist das neue Microsoft, Open Source ist das neue Apple

11. Juni 2010

Auf der Suche nach Jason Calacanis und seinen Äußerungen zu Apple, bin ich auf seine 5 Gründe (vom August 2009) gestoßen, warum er sich von Apple distanziert hat:

1. Der iPod behindert Innovationen durch wettbewerbswidrige Praktiken, denn rein technisch gesehen gibt es keinen Grund, warum iTunes nicht auch andere MP3-Player unterstützen sollte.

Lösung: Eine API für iTunes sorgt für den Kontakt zu allen Massenspeichern. Apple könnte durch geringe Lizenzgebühren profitieren.

2. Das iPhone wird für monopolistische Praktiken in der Telekommunikation benutzt, indem jeweils nur ein Anbieter das iPhone vertreibt.

Lösung: Eine zweite SIM-Karte könnte dazu genutzt werden, einen weiteren Provider für Zusatzdienste zu wählen. Apple könnte das iPhone so weiter exklusiv vermarkten und die teuren Datentarife könnten wegfallen. Das iPhone würde dadurch billiger und könnte sich noch weiter verbreiten.

3. Die Nutzungsbestimmungen des App Stores sind ein Kontrollinstrument und eine ungerechtfertigte Bevormundung der Nutzer.

Lösung: Ein Basis-System mit nicht geprüften Apps könnte mit kostenpflichtig geprüften Apps angereichert werden.

4. Die Verbannung anderer Browser auf dem iPhone ist noch schlimmer, als der Versuch von Microsoft, den IE mit Windows zu verknüpfen.

Lösung: Apple sollte sich dem Wettbewerb stellen. Daraus könnten bessere Browser entstehen, die wiederum die Verbreitung von Smartphones und eben auch des iPhones erhöhen.

5. Die Blockierung der „Google Voice“-Applikation dient einzig der Erhaltung der Marktposition von Apple.

Lösung: Apple sollte es dem Nutzer überlassen, wie er sein gebuchtes Datenvolumen verwendet. Drei oder vier Phone-Apps sollten jedem Nutzer erlaubt sein. Dafür könnte Apple dann von dessen Herstellern geringe Lizenzgebühren verlangen.

Jason Calacanis

Was früher Microsoft für Apple war, ist heute Apple für Open Source. Diese These vertritt Jason Calacanis, ein Gründer aus der Dot.com-Ära, der unter anderem durch den Konferenz-Hoster Rising Tide Studios und dem Blognetzwerk Weblogs, Inc. bekannt geworden ist. Er meint damit vor allem eine ungleiche Rollenverteilung, bei der der Starke seine Macht gegenüber dem vermeintlich Schwächeren durch Restriktionen zu behaupten versucht. Er beschreibt anhand von fünf Fakten, warum er sich in den letzten 12 bis 18 Monaten von Apple distanziert hat.

Quelle: t3n vom 10.08.2009

Hier der ausführlicher Beitrag The Case Against Apple – in Five Parts auf Jason Calacanis Weblog. Dort auch die zwei schönen Hinweise:

Making great products does not absolve you from technology’s cardinal rule: Don’t be evil.

It also doesn’t save you from Scarface’s cardinal rule: Never get high on your own supply.

Und eine wunderschöne Musikempfehlung von Jason Calacanis:

Und noch einige Ansichten zum iPhone von Michael Arrington: I Quit The iPhone

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Baudrillard über warme Computer

29. Mai 2010

Anläßlich eines Streiks in Quebec besetzen die Studenten den Computerraum. Nicht um die vitale Mitte des Imperialismus zu treffen, sondern einfach, weil es Winter ist und das der einzige Ort, wo sie es warm haben, da die Verwalter es nicht riskieren können, den Strom abzuschalten, aus Angst, das Computergedächtnis zu zerstören.

Jean Baudrillard

Quelle des Zitats: Jean Baudrillard, Cool Memories 1980-1985, Matthes & Seitz Verlag, München 1989, S. 107. Das Buch ist zur Zeit vergriffen, bei ZVAB gbt es noch drei Exemplare.

Dazu ist auch Joseph Weizenbaum interessant:

Der Computer hat damals die Bibliothek geheizt. Man ist nicht zum Computer gegangen, sondern in den Computer.

Das flitzen Elektronen rum, das sind keine Golfbälle, aber da bewegt sich was. Computer müssen immer noch gekühlt werden, es bewegt sich was, das erzeugt Hitze, keine Golfbälle aber es bewegt sich. Auch der Desktop-Computer muss noch gekühlt werden.

Quelle: CD-Rom „Krieg ist der Feind – Die Verantwortung des Wissenschaftlers“, Aufnahme eines Gespräches mit Joseph Weizenbaum am 18. Juni 2003, erschienen im Hörbuchverlag suppose

Joseph Weizenbaum (1923 – 2008)

18. Mai 2010

Schon vor einigen Jahren habe ich meinem Sohn eine CD-Rom „Krieg ist der Feind – Die Verantwortung des Wissenschaftlers“ (Aufnahme eines Gespräches mit Joseph Weizenbaum am 18. Juni 2003, erschienen im Hörbuchverlag suppose) geschenkt, weil er Hörbücher mag und weil er bei aller Begeisterung über Kämpfe und Schlachten und Waffen ahnt, dass echter Krieg heute (und früher) viel weniger heroisch ist, als in den Geschichten, Büchern, Filmen und Spielen geschildert.  Nun habe ich angefangen mir das Gespräch mit Joseph Weizenbaum anzuhören, bin begeistert und hier einige Notizen zu diesem wunderschönen, humorvollen Monolog eines interessanten und sympathischen Menschen:

https://i1.wp.com/www.virtosphere.de/schillo/teaching/WS2001/Photos/Weizenbaum.jpg

Weizenbaum wollte Kryptologie machen, durfte nicht, hat dann Meteorologie gemacht.

Der Computer hat damals die Bibliothek geheizt. Man ist nicht zum Computer gegangen, sondern in den Computer.

Fast alle der Pionier-Programmierer waren Frauen.

Das flitzen Elektronen rum, das sind keine Golfbälle, aber da bewegt sich was. Computer müssen immer noch gekühlt werden, es bewegt sich was, das erzeugt Hitze, keine Golfbälle aber es bewegt sich. Auch der Desktop-Computer muss noch gekühlt werden.

Es hat eine Verschmelzung gegeben von Computer und Kommunikation. Mit allem, womit wir kommunizieren, hat der Computer zu tun. Kurze Geschichte des Computers in den letzten 150 Jahren.

Alles was wir nicht verstehen, scheint uns Zauberei. Seine Tochter Miriam fragte zu einem Zaubertrick, den er seinen Kindern vorführte: „Ist das Zauber oder muss man einfach intelligent sein?“.

Zu erklären, bedeutet, es weg zu erklären.

Anfänge und Definition der künstlichen Intelligenz. Wahrscheinlich wird es nie möglich sein, Computer Ping-Pong spielen zu lassen.  Oder es wäre theoretisch möglich, aber viel zu teuer und aufwändig.

Das Wort „eigentlich“ als Parallele zu dem Radio Eriwan-Witz-Anfang: „Im Prinzip ja – Aber!“

Der Computer hat keine Sehnsucht nach dem Strom.

Die Sozialisation eines Computers ist ganz anders als die Sozialisation eines Menschen.

Scham oder eine Notwendigkeit zu Arbeiten (was auch immer das bedeutet) – sowas hat der Computer nicht, darin liegt der Unterschied zwischen Mensch und Maschine.

Was passiert bei einem Menschen, wenn er eine Hand auf der Schulter spürt? Da passiert etwas, was ein Computer nicht kann.

Autonome Maschinen, Sonnenuhr und Motorrad. Die Definition des Menschen und der Maschine.

https://i1.wp.com/farm1.static.flickr.com/127/361777845_b0c6964dca.jpg

Und dann habe ich bei Heise-Online entdeckt, dass Joseph Weizenbaum vor einigen Jahren (am 18.10.2005) für einen Vortrag in Darmstadt war:

Joseph Weizenbaum wird gerne als Computerkritiker bezeichnet. Dabei gilt seine Sorge weniger den Computern, als vielmehr den Menschen, die sie kritiklos einsetzen. An der TU Darmstadt versuchte er am gestrigen Dienstagabend dieses Bewusstsein bei angehenden Informatikstudenten zu wecken.

Auf die Frage, was denn zu tun sei, wich Weizenbaum zunächst aus. Schließlich hob er auf die Bildung der Menschen ab. Es sei wichtig, die eigene Sprache möglichst gut zu lernen und zu benutzen. Das beginne in der Familie, in der man möglichst viel und intensiv miteinander sprechen müsse. Nicht ohne Stolz erzählte er, dass eine Tochter einst vorgeschlagen habe, den Geschirrspüler nicht mehr zu nutzen und statt dessen gemeinsam abzuspülen. Die Gesellschaft entwickle eine radikale Einsamkeit: „Man spricht nicht mehr miteinander.“ Die unmittelbare Kommunikation zwischen Menschen sei notwendig und durch nichts zu ersetzen. Und dazu gehöre eine möglichst gute Beherrschung der Sprache. Sie müsse oberstes Ziel der Ausbildung von Kindern sein.


Im übrigen beklagte Weizenbaum die Dummheit der Menschen. Alles, was sie wüssten, wüssten sie aus dem Fernsehen. Da sei es kein Wunder, dass sie sich belügen ließen, ohne die Aussagen ihrer Regierung zu hinterfragen. Das träfe sowohl auf die Amerikaner zu, die man bei der Begründung des Irak-Krieges belogen habe, wie auch auf die Deutschen, die sich hätten erzählen lassen, die Wiedervereinigung wäre kostenlos. Allein der Zugang zu Informationen sei eben nicht ausreichend. Es käme auch darauf an, sie zu hinterfragen.

Im Hörbuch erzählt er auch von Countess Lovelace:

Datei:Ada Lovelace.jpg

Ada Lovelace, auch Ada Augusta Byron oder Ada King, eigentlich Augusta Ada King Byron, Countess of Lovelace (* 10. Dezember 1815 in London; † 27. November 1852 in London) war eine britische Mathematikerin. … Wegen ihrer schriftlichen Kommentare zur mechanischen Rechenmaschine Analytical Engine wird Ada Lovelace als erste Programmiererin – noch vor dem ersten männlichen Kollegen – bezeichnet. Die Programmiersprache Ada wurde nach ihr benannt.

Quelle: Wikipedia

Im Alter von 85 Jahren ist Joe Weizenbaum in Berlin an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Nach einer Chemotherapie hoffte er noch an seinem Geburtstag im Januar, ein schönes Jahr verleben zu können. In einer seiner letzten Mails schrieb der große Kulturkritiker und Mitbegründer der Computer Science:

„Unser Tod ist der letzte Service, den wir der Welt leisten können: würden wir nicht aus dem Weg gehen, würden die uns folgenden Generationen die menschliche Kultur nicht wieder frisch erstellen müssen. Sie würde starr, unveränderlich werden, also sterben. Und mit dem Tod der Kultur würde alles Menschliche auch untergehen.“

Quelle: Heise Online

Wikpidedia-Artikel zu Joseph Weizenbaum

Artikel im Boston Globe anläßlich seines Todes

JOSEPH WEIZENBAUM

Mann, den hätt´ ich gern kennen gelernt!

Zum Abschluss einige schöne Hörbuchtitel, die heute als neu auf der Website des Hörbuchverlags supposé zu finden sind:

neu:
Da fährt mein Zug mit Peter Kurzeck

Die Nacht ist aus Tinte gemacht mit Herta Müller

Feuer-Management für Raumschiff Erde mit J. G. Goldammer

Das Leben der Viren mit Karin Mölling