Urheberrecht: Selbstbedienung der Verlage

23. März 2012

Diesen interessanten YouTube-Beitrag aus dem  ZAPP Medienmagazin des NDR gerade beim Schockwellenreiter gefunden:

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Schüler und Lehrer bei Facebook: Die Regeln der Freundschaft

29. November 2011

Mein 14-jähriger Sohn war letztens verwundert darüber, daß einer seiner Lehrer eine Schülerin vor der ganzen Klasse mit ihrem Facebook-Namen anspricht. Daraus ergab sich ein interessantes Gespräch (mit meinem Sohn, nicht mit der Klasse) über Distanz und Nähe und über die Nutzung von Facebook. Regeln dazu gibt es in der Schule natürlich keine. Zu diesem Thema gerade einen Artikel von Markus Böhm bei Spiegel-Online gefunden:

„Peinliche Partyfotos, Lästereien, Liebesschwüre: Sollten Schüler und Lehrer das voneinander sehen? Dürfen sie sich bei Facebook befreunden? Regeln dafür hat kaum eine Schule. Jetzt verraten im SchulSPIEGEL je drei Pädagogen und Jugendliche, was sie online preisgeben – und wer neugieriger ist.“
Hier geht´s zum ganzen Artikel bei Spiegel-Online.

Witzig, daß der besagte Lehrer meines Sohnes in seinem Profil (das, was ich als Nicht-Freund davon sehen kann) unter „Kunst und Unterhaltung“ firmiert. Auch mal eine neue Sicht auf den Lehrerberuf ;-). Und die Band, die ihm gefällt heißt „PinUp“.


Die gefährdete Generation – Fasziniert und abgestoßen- Jugendliche und Pornografie im Internet

11. September 2011

Gerade ging es beim Elternabend in der letzten Woche um das Thema Internet und Pornografie (die Schule meines Sohnes schafft es offenbar nicht einen entsprechenden Filter einzubauen), da finde ich heute einen interessanten Artikel von Nicola Abé auf Spiegel-Online:

Die gefährdete Generation – Fasziniert und abgestoßen
Wenn Jugendliche im Internet Pornos entdecken, sorgen sich Eltern um die Unschuld ihrer Kinder. Da hilft nur eines: offen miteinander reden.

Hier einige Auszüge, der komplette Artikel von Nicola Abé ist hier zu finden:

Eltern können kaum verhindern, dass ihre Kinder heute mit dem Weltwissen über Sex konfrontiert sind – lange bevor diese eigene Erfahrungen machen. 98 Prozent der Jugendlichen sind vernetzt. Sie haben Online-Profile auf Facebook, sie flirten in Chatrooms, sie sehen sich Pornos an. Knapp die Hälfte aller 13-Jährigen hat schon mal einen solchen Film gesehen, in der Altersgruppe der 14- bis 17-Jährigen sind es fast 80 Prozent.

Pornos könnten sogar einen pädagogischen Effekt haben. „Ich muss Jugendlichen heute nicht mehr erzählen, wie Sex technisch funktioniert.“ Im digitalen Zeitalter gehe es weniger um klassische Aufklärung als um die „Vermittlung sexueller Werte“, wie Menschen in Beziehungen miteinander umgehen.

Wie sich früher Pornokonsum tatsächlich auf die Sexualität von Jugendlichen, auf ihre Vorstellungen und Phantasien auswirkt, ist indes wenig erforscht. Eine kroatische Studie fand heraus, dass der Konsum expliziter Filme in der Pubertät weder die spätere sexuelle Zufriedenheit noch die Bereitschaft zur Nähe in einer Partnerschaft stört. Allerdings bewiesen niederländische Forschungen einen Zusammenhang zwischen jugendlichem Pornokonsum und der Wahrnehmung der Frau als Sexobjekt.

Quelle und mehr…

Trotzdem bin ich der Meinung, dass die Schule in der Lage sein sollte, den Umgang mit dem Internet zu kontrollieren oder zumindest zu thematisieren, das geschieht an der BAS aber offensichtlich beides nicht.


Meike Richter: Creative Commons – Lizenzen für das Internet-Zeitalter

8. Juni 2011

Hinweis beim Schockwellenreiter auf einen sehr interessanten Vortrag über „Creative Commons“ gefunden:

Text aus der Website „Lecture to go“: Meike Richter Creative Commons – Lizenzen für das Internet-Zeitalter
Creative Commons“ sind Lizenzen, die speziell für die Veröffentlichung von Informationen im Internet entwickelt wurden. Urheber von Medien, wie Videos, Musik oder Texten können damit leicht bestimmen, was bei der Weitergabe bzw. Wiederveröffentlichung ihrer Werke beachtet werden muss, zum Beispiel die Namensnennung oder der Ausschluss einer kommerziellen Nutzung. Für Publizierende wird damit mehr Klarheit geschaffen. Die Frage ob und wie ich beispielsweise ein Bild eines anderen Urhebers auf einer beliebigen Webseite veröffentlichen darf, wird mit „Creative Commons“ beantwortet. Meike Richter ist freie Journalistin und Dozentin und berät unter anderem den NDR bei der Lizensierung verschiedener Inhalte mit „Creative Commons“. Mit „Creative Commons“ lizensierte Bilder lassen sich beispielsweise über die erweiterte Suche von Flickr leicht finden, Musik über Soundcloud. Zur deutschen Depandance von „Creative Commons“ gelangen Sie hier.
by-nc-sa Lizenz

Lecture2Go ist die zentrale Medienplattform der Universität Hamburg im World Wide Web, auf der Sie zahlreiche aufgenommene Vorlesungen ansehen, hören und herunterladen können.

Quelle: Medienkompetenzzentrum der Uni Hamburg – Lecture to go


„Kinder- und Jugend(medien)schutz geht alle an – und keiner sieht hin!“ Vortrag von Kriminalhauptkommissar Uwe Walzel in der Mornewegschule Darmstadt am 8.2.2011

17. Januar 2011

„Kinder- und Jugend(medien)schutz geht alle an – und keiner sieht hin!“ Vortrag von Kriminalhauptkommissar Uwe Walzel (Jugendkoordinator des Polizeipräsidiums Südhessen und zertifizierter Internet-Medien-Coach/IMC) in der Mornewegschule Darmstadt.

Die Verknüpfung der Begriffe Internet, Medien und Gewalt bestimmt immer häufiger die öffentliche Diskussion, beunruhigt und verunsichert Eltern, Lehrerinnen und Lehrer. Einerseits wird von den Kindern und Jugendlichen Medienkompetenz erwartet, andererseits bestehen große Ängste vor den Folgen der Mediennutzung. Uwe Walzel wird neben polizeilichen und kriminologischen Erkenntnissen auch Bereiche der Neuen Medien vorstellen, die für manche Kinder selbstverständlich, für Eltern aber möglicherweise unbekannte Welten sind.

Termin: Dienstag, 8. Februar 2011 um 20.00 Uhr

Ort: Mensa der Mornewegschule in Darmstadt, Hermannstrasse 21, 64285 Darmstadt

Eintritt frei. Eltern deren Kinder die Mornewegschule nicht besuchen sind selbstverständlich auch eingeladen.

Uwe Walzel kommt auf Einladung des Schulelternbeirats der Mornewegschule Darmstadt.

Website des Schulelternbeirats der Mornewegschule

Website Mornewegschule

Website Polizeipräsidium Südhessen

Danke an M.S. für den Hinweis auf diese Veranstaltung.


Datensammler-Debatte: Kuschelkapitalismus aus dem Netz – Sascha Lobo-Kolumne auf Spiegel-Online

12. Januar 2011
Sascha Lobo SPON KOLUMNE auf Spiegel Online am 12.1.2011, Foto ©: Reto Klar

Sascha Lobo SPON KOLUMNE auf Spiegel Online am 12.1.2011, Foto ©: Reto Klar

Gerade bei Spiegel Online gefunden und begeistert gelesen (kursiv ist zitiert und nicht von mir):

Datensammler-Debatte – Kuschelkapitalismus aus dem Netz

… das Internet ist eine Mensch-Maschine, sie vermenscht alles gnadenlos, besonders Unternehmen. Coca Cola will mit mir persönlich auf Facebook verbandelt sein und umgekehrt erwarte ich von der Deutschen Bank, dass sie meine Mail gefälligst so schnell und individuell beantwortet wie mein Arbeitskollege. Bloß freundlicher und ohne die vorwurfsvollen Fragen, ob man das nicht auch selbst hätte googeln können oder wer schon wieder den Knusperjoghurt aus dem Firmenkühlschrank geklaut hat.

Peugeot hat eine Web-Seite, ein Blog, einen YouTube-Channel, eine Facebook-Seite und einen Twitter-Account? Na und? Ich auch. Und nicht nur ich, sondern jeder im browserfähigen Alter, der das möchte. Im Zweifel dürfte es auch nicht besonders schwer sein, persönlicher zu twittern als Peugeot, obwohl die Marketing-Abteilung doch extra „personality building“ in die Anweisung für die ausführende Agentur hineingeschrieben hat.

Einer der lustigsten Blogbeiträge der letzten Jahre ist ein fiktiver Mail-Verkehr mit dem Namen “ Wenn Unternehmen twittern“ auf der Seite trendopfer.de. Darin versucht ein Unternehmen, eine harmlose Twitter-Botschaft abzusenden, mit den üblichen, hierarchischen Freigabeschleifen samt Abteilungsleitergetöse. Die absurde Komik entsteht daraus, dass sich der durchschnittliche Unternehmensapparat für einen offenen und schnellen Dialog mit Nutzern etwa so gut eignet wie die Linke zur Durchsetzung des Kommunismus oder die FDP zum Regieren.

Die Erwartung, dass sich im Netz der Menschen jeder Teilnehmer wie ein Mensch verhalten soll, bringt in manchen Unternehmen inzwischen neue Strukturen hervor. In den USA entsteht gerade das Berufsbild des Informationsprokuristen für das Internet.

Die Geißel der Marktforschung, in ihrer traditionellen Form für die Seelenlosigkeit der meisten Waren verantwortlich, würde abgeschafft, weil im sozialen Netzwerk um die Ecke fast von allein bessere Informationen zu finden sind. Konzerne würden viel seltener in ethische Fallen tappen, wenn sie vorher einfach die Kunden fragen, ob sie etwas gegen Kinderarbeit in Asien haben, selbst wenn dadurch das Produkt zwei Euro billiger wird.

Vielleicht wäre am Ende sogar die Werbung nicht mehr gezwungen zu lügen, sondern könnte auf die normalen Überzeugungsmethoden im zwischenmenschlichen Gespräch zurückgreifen, also Charme und ein bisschen angeben.

Sascha Lobos Kolumne auf  Spiegel Online


Hip-Hop über Medienkompetenz – An die Bürger von Konsolien von Jan Delay und Sam Semilia:

24. Juni 2010

Das geht an die Bürger von Konsolien! Lasst die Zeit frei, lasst sie laufen.

Ein wunderbarer, geiler Song von Jan Delay und Sam Semilia, von der zweitbesten deutsche Hip-Hop-Platte „searching for the young soul rebels“ (Die Beste ist „Bambule“ von Jan Delay und den „Absolute Beginners“). Unbedingt laut hören und auch zuhören (der Text steht weiter unten). Am Ende des Liedes singt Udo Lindenberg.

Und wenn ihr selbst jemand kennt, der ähnliche Probleme hat, dann schenkt ihm diese Platte und nehmt ihm seine Geräte ab!

https://i1.wp.com/www.seatwave.com/Filestore/SEASON/IMAGE/jan-delay--disko-no1_001586_2_MainPicture.jpg

Jan Delay – An die Bürger von Konsolien (ft. Sam Semilia)

Das geht an die Bürger von Konsolien! Lasst die Zeit frei, lasst sie laufen.
Denn wir 2 hier aus Mongolien, könnten die ganz gut gebrauchen!

Sie halten sie gefangen und schlagen sie tot, in digitalen Szenarien.
Böse Zungen behaupten sie täten dies, aufgrund minimaler Genitalien.
Für das Volk wird neues Opium gebraucht, der alte Ruhigsteller Religion ist out!
So können alle ihre Zweifel und Ängste, begeistert im erreichen der highscores ertränken!
Sie daddeln und daddeln, kommen Level für Level, gefesselt im Sessel,
dabei Kumpels im Tekken zu battlen.
Wollen unter die Besten der Besten, vergessen zu essen, ham keine Interessen
Außer die Competition zu testen,
das sind die:

Bürger von Konsolien, lasst die Zeit frei, lasst sie laufen.
Denn wir 2 hier aus Mongolien, können die ganz gut gebrauchen!
Die Zeit ist derbe in Not! Bereits vom Aussterben bedroht!
Ihre Mörder sind seelenlose Körper, hängen an den Kabeln,
wie an der Nadel und daddeln!

Ich kenn´n Typen aus der Nachbarschaft den jeder für n looser hält,
doch daheim in seiner Computerwelt ist er´n Superheld.
Macht locker jeden platt und toppt jeden Punktestand,
aber im Alltag bleibt er unbekannt, sein Name ungenannt.
Depressiv, trinkt gleich morgens schon nen Wodka Gorbatschow,
schmeißt dann die Konsole an und wixt sich einen auf Lara Croft!
Einer der, weder Frau, Freunde noch Familie hat, und alle Erfolge
Im Leben gesaved auf Memory Card.
Verschwendet jeden Tag, weil er ganz allein zu hause hockt,
denn in der Welt da draußen gibt es bei Gefahr kein Pauseknopf!
Und wenn ihr selbst jemand kennt, der ähnliche Probleme hat,
dann schenkt ihm diese Platte und nehmt ihm seine Geräte ab!

Und darum geht das an die:

Bürger von Konsolien…

Und wir singen dies´ Lied, bis es jeder hier versteht!
Es wird Zeit dass ihr euer Leben lebt!
Denn ich kann nicht nur daneben stehen, zusehen wie
Alle falsche Wege wählen, sich alles nur noch um Geräte
Dreht, während die Welt untergeht!!!!!

(Text: Jan Eißfeldt, Samuel Sorge
Riddim: sam ragga band
Sampled&edited: Jan Delay, Platin Mardin
Vocals: Jan Delay, Sam Semilia
Background Vocals: Brooke Russel
Bläser: the jonny blazers

Quelle der Lyrics: Magistrix

Wikipedia-Artikel zu Jan Delay

Der Rest der Platte ist auch ausgezeichnet, hier die Tracklist (bei 11. „die, sonne, die scheint“ wird meine Anlage von ganz alleine laut, ich muss nur noch die Fenster schliessen, zum geniessen):

Rückseite von "searching for the jan soul rebels"

Hier die Version von der CD:


Wieviel Ballerspiel verträgt mein Kind? Medienkompetenz-Seminar mit Andreas Gohlke in Darmstadt, 26. Juni 2010

22. Juni 2010

Klingt sehr interessant, ich habe mich angemeldet:

Der Mediensuchtexperte Andreas Gohlke gibt Tipps und beantwortet drängende Fragen. ,,Medienkompetenz für Eltern“ heißt das Seminar am Samstag (26. Juni 2010) von 10 bis 16 Uhr in der Bessunger Knabenschule, in Ludwigshöhstraße 42 in Darmstadt. Kosten: 60.-€/Person, Anmeldung bei Andreas Gohlke unter der Rufnummer: 0151 10704650 oder per E-Mail: gohlke@mediensucht-escape.de

Andreas Gohlke (Dipl. Sozialarbeiter)

Mediensuchtexperte Andreas Gohlke

Der Reiz von Ballerspielen, die Attraktivität des Chattens, die Folgekosten des Erwerbs einer Spielekonsole oder die Frage, was sich mit ihr alles anstellen lässt – nämlich zum Beispiel im Internet surfen, dies sind Themen, die der Mediensuchtexperte Andreas Gohlke am 26. Juni bei einem Elternseminar in der Knabenschule anschneiden möchte. Es ist ein neues Angebot in Darmstadt. Diplom-Sozialarbeiter Andreas Gohlke gibt seit Jahren Elternabende zum Komplex Kinder und elektronische Medien. Seiner Erfahrung nach bleiben dort viele Fragen unbeantwortet, weil die Zeit fehlt. Diese Zeit soll es in dem sechsstündigen Seminar nun geben. Es richtet sich nicht nur an Eltern, ,,die sich informieren wollen, aber keinen unmittelbaren Zugang haben“, wie er sagt. Sondern auch an solche mit konkreten Fragen – ,,Wieviel Medienzeit verträgt mein Kind?“ – oder mit konkreten Befürchtungen.Ballerspiele etwa haben für Erwachsene einen kriegerischen Hintergrund, sagt Gohlke, der ein Programm für mediensüchtige Jugendliche entwickelt hat. ,,Für Jugendliche ist es dagegen ein Wettbewerb und Zeitvertreib.“ Deswegen mache es keinen Sinn, diese Spiele generell zu verteufeln. Eltern sollten vielmehr verstehen lernen, wie ihre Kinder sie erleben. ,,Das heißt nicht, dass man es gut finden muss“, betont Gohlke, ,,aber es schützt vor sinnlosen Verboten.“Letztlich gehe es immer auch darum, dass Kinder lernen, Eigenverantwortung zu übernehmen. Und Eltern erkennen, wo die Fähigkeiten und Grenzen ihrer Kinder liegen, ihnen Regeln setzen und ihre Selbstständigkeit fördern. Dazu gehört Kommunikation. ,,Die ist oft dort das Problem, wo es mit Computerspielen Schwierigkeiten gibt“, sagt der Medienpädagoge. In Familien, in denen jeder vor sich hin wurstele, die Kinder Fernseher, Computer und Spielekonsolen in ihren eigenen Zimmern stehen hätten und dort auch noch das Essen hineingetragen kriegen, bestehe die ,,Gefahr der sozialen Verarmung“. Wenn da was schiefläuft, ,,kriegt das erstmal keiner mit“.Je besser die Informationsbasis der Eltern, desto leichter sei es für sie, mit ihren Kindern in Kontakt zu bleiben, sagt Gohlke. Und oft genüge ein Blick über den Tellerrand, um zu sehen, ,,wieviel Möglichkeiten es gibt, sich handlungsfähig zu machen“.

Quelle: Darmstädter Echo

Am 27. März war schon einmal ein Bericht über einen Vortrag von Andreas Gohlke im Darmstädter Echo:

Nicht gängeln – erziehen

Computerspiele: Ein Eltern-Infoabend beschäftigt sich mit der ,,Generation zwischen Ballerspiel und Hausaufgaben“

Nächte vor dem Computer und Diskussionen, wie lange im Internet gesurft werden darf, sie prägen so manches Familienleben. ,,Ich bin ein Freund von Grenzen und Regeln“, sagte am Donnerstag der Mediensuchtberater Andreas Gohlke in der Justus-Liebig-Schule: ,,Ich will nicht gängeln, aber erziehen.“ ,,Generation Internet – Zwischen Ballerspiel und Hausaufgaben“, war das Thema, zu dem die Lio-Schulsozialarbeit den Mühltaler Berater Gohlke eingeladen hatte. Teilweise gebe es Menschen, die in der virtuellen Welt ,,World of Warcraft“ wöchentlich 100 Stunden spielten, schilderte der Sozialarbeiter den 35 Eltern die Situation. Eltern, die selbst nur wenige Computerspiele spielen, wie eine kleine Abstimmung am Anfang offenbart hatte. ,,Was haben die Spielbetreiber davon, dass sich Spieler so ins Verderben stürzen?“, fragte ein Vater. ,,Die Nutzer zahlen pro Monat zirka 13 Euro“, beschrieb Gohlke die wirtschaftliche Komponente. 2008 gab es weltweit 11,5 Millionen ,,World of Warcraft“-Spieler.

,,Die Spiele sind so aufgebaut, dass sie einladen, sich ins Spiel zu vertiefen“, schildert der Sozialarbeiter den Eltern das attraktive Spielkonzept. Stetig habe man kleine Erfolge, stetig verbessere sich die Figur. Um später hoch-stufige Gegner zu besiegen, müssten sich die Spieler in immer größeren Gruppen verbünden. ,,Da sitzen dann 80 Leute auf der Welt, die zusammen spielen.“,,Unsere Kinder werden zu Mördern erzogen“, folgerte ein Vater entsetzt, nachdem der Berater Szenen aus dem inzwischen seit zehn Jahren existierenden Computerspiel ,,Counter-Strike“ gezeigt hatte. Im Spiel treten zwei Teams mit je fünf Spielern (Terroristen gegen Antiterroreinheit) online gegeneinander an. Jeder Spieler sieht die Spielwelt aus der Ich-Perspektive. Schwerpunkt ist eigentlich der taktische Kampf, bei dem allerdings auch Gewalt deutlich dargestellt werden kann. ,,Counter-Strike“ wird inzwischen sogar in einer Bundesliga gespielt. Der Sozialarbeiter riet den Eltern sich dafür zu interessieren, was ihre Kinder im Internet machen, welche Spiele sie spielen. ,,Gehen Sie nach Ihrem Gefühl. Beobachten Sie.“ Er selbst passe bei seinem elfjährigen Sohn aktiv auf. Unmittelbar nach der Schule am PC zu spielen, lehnt er ab. ,,Erstmal was Ruhiges.“ Wenn sein Sohn fernsehe oder spiele sei er dabei. Insgesamt habe der 90 Minuten pro Tag sogenannte Medienzeit, die nicht auf andere Tage übertragen werden könnten. Zudem habe der Junge nur eingeschränkte Nutzerrechte am PC, die er als Administrator festlege. Gohlke räumt ein, dass das Zeit und manchmal Nerven koste, auch weil ihn einige Teenager-TV-Serien nicht interessieren. Die Eltern sollten sich auch selbst beobachten, betonte der Berater. ,,Wir unterschätzen, wie wir Dinge unseren Kindern vorleben. Die lernen an uns.“

Quelle: Darmstädter Echo

Alles Themen, die mich selbst sehr interessieren, der  nächste Samstag verspricht also ein spannender Tag zu werden.


Apple ist das neue Microsoft, Open Source ist das neue Apple

11. Juni 2010

Auf der Suche nach Jason Calacanis und seinen Äußerungen zu Apple, bin ich auf seine 5 Gründe (vom August 2009) gestoßen, warum er sich von Apple distanziert hat:

1. Der iPod behindert Innovationen durch wettbewerbswidrige Praktiken, denn rein technisch gesehen gibt es keinen Grund, warum iTunes nicht auch andere MP3-Player unterstützen sollte.

Lösung: Eine API für iTunes sorgt für den Kontakt zu allen Massenspeichern. Apple könnte durch geringe Lizenzgebühren profitieren.

2. Das iPhone wird für monopolistische Praktiken in der Telekommunikation benutzt, indem jeweils nur ein Anbieter das iPhone vertreibt.

Lösung: Eine zweite SIM-Karte könnte dazu genutzt werden, einen weiteren Provider für Zusatzdienste zu wählen. Apple könnte das iPhone so weiter exklusiv vermarkten und die teuren Datentarife könnten wegfallen. Das iPhone würde dadurch billiger und könnte sich noch weiter verbreiten.

3. Die Nutzungsbestimmungen des App Stores sind ein Kontrollinstrument und eine ungerechtfertigte Bevormundung der Nutzer.

Lösung: Ein Basis-System mit nicht geprüften Apps könnte mit kostenpflichtig geprüften Apps angereichert werden.

4. Die Verbannung anderer Browser auf dem iPhone ist noch schlimmer, als der Versuch von Microsoft, den IE mit Windows zu verknüpfen.

Lösung: Apple sollte sich dem Wettbewerb stellen. Daraus könnten bessere Browser entstehen, die wiederum die Verbreitung von Smartphones und eben auch des iPhones erhöhen.

5. Die Blockierung der „Google Voice“-Applikation dient einzig der Erhaltung der Marktposition von Apple.

Lösung: Apple sollte es dem Nutzer überlassen, wie er sein gebuchtes Datenvolumen verwendet. Drei oder vier Phone-Apps sollten jedem Nutzer erlaubt sein. Dafür könnte Apple dann von dessen Herstellern geringe Lizenzgebühren verlangen.

Jason Calacanis

Was früher Microsoft für Apple war, ist heute Apple für Open Source. Diese These vertritt Jason Calacanis, ein Gründer aus der Dot.com-Ära, der unter anderem durch den Konferenz-Hoster Rising Tide Studios und dem Blognetzwerk Weblogs, Inc. bekannt geworden ist. Er meint damit vor allem eine ungleiche Rollenverteilung, bei der der Starke seine Macht gegenüber dem vermeintlich Schwächeren durch Restriktionen zu behaupten versucht. Er beschreibt anhand von fünf Fakten, warum er sich in den letzten 12 bis 18 Monaten von Apple distanziert hat.

Quelle: t3n vom 10.08.2009

Hier der ausführlicher Beitrag The Case Against Apple – in Five Parts auf Jason Calacanis Weblog. Dort auch die zwei schönen Hinweise:

Making great products does not absolve you from technology’s cardinal rule: Don’t be evil.

It also doesn’t save you from Scarface’s cardinal rule: Never get high on your own supply.

Und eine wunderschöne Musikempfehlung von Jason Calacanis:

Und noch einige Ansichten zum iPhone von Michael Arrington: I Quit The iPhone


Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Dänen haben keine Lieder

9. Juni 2010

Dieser Artikel bei Spiegel-Online „Bildung à la Dänemark: Lerne lieber ungewöhnlich“ ist wieder gutes Futter für meine große Affinität zu den skandinavischen Ländern und voller Anregungen für sinnvolles Nichtstun (dazu auch mein Weblog: Frieden durch Faulheit). Und ja, ich finde es in Ordnung Wortwitze über Dänen zu machen („Dänen lügen nicht“ oder in einer Bildunterschrift des Spiegel-Artikels „Gut geht es den Dänen und denen, denen Dänen nahestehen“) ich glaube, wenn sie nicht respektlos sind, kann ein glücklicher Däne damit leben und immerhin sind sie das glücklichste Volk Europas.

Mehrere Monate sind Julie und ihre Mitschüler schon in der „Folkshøjskole“ im Örtchen Testrup zwischen den langgezogenen, grünen Hügeln Jütlands. Die meisten kommen anders als Julie direkt von der Schule. In Testrup werden die jungen Dänen bis Ende Juni zusammen leben, essen, wohnen – und lernen. Jeder hat eines der fünf Hauptfächer gewählt. Neben Musik sind es Philosophie, Literatur, Theater und Kunst – also ausschließlich Dinge, die als brotlos gelten.

Leitspruch: „Finde raus, worin du gut bist“

Die Højskole von Testrup ist eine von 76 solchen Schulen in dem kleinen skandinavischen Land, die jährlich rund 3500 Jugendliche besuchen. Mit Kost, Logis und Unterricht kostet der Aufenthalt im gemeinnützigen Erwachseneninternat umgerechnet rund 4000 Euro – den gleichen Betrag legt der Staat obendrauf.

Dafür stellt das Bildungsministerium ein paar Bedingungen an die Volkshochschulen, die mit einer deutschen VHS nur den Namen teilen: Sie müssen mindestens 28 Stunden pro Woche unterrichten, und die Inhalte müssen allgemeinbildend sein – ansonsten sind die Schulen unabhängig. Staatlich gefördert sollen sie den Jugendlichen helfen, sich zwischen Schulabschluss und Uni oder Arbeitsleben zu orientieren und dazuzulernen oder einfach im Studium die Chance für eine Pause bieten. „Finde raus, worin du gut bist“, das ist ihr Leitspruch. Hier soll Bildung ein Abenteuer sein.

Der Mensch soll doch kein „Produktionstier“ sein

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Ein Ergebnis der Google-Bildsuche nach "Testrup"

Vielleicht führe ich eine neue Kategorie ein: „Seltsame Bilder, die Google zu einem gesuchten Stichwort findet“. Der Hund hat mir gefallen und tauchte bei der Suche nach „Testrup“ auf der zweiten Seite auf. Ist das Tierliebe oder Tierquälerei?

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Im herkömmlichen Sinn sei das schon Zeitverschwendung, was seine Schule hier mache, sagt Carlsen und lacht. Genau das sei ja der Punkt: Von allen Seiten werde jungen Menschen heute eingetrichtert, sie müssten sich ausbilden, um produktiv zu sein, Geld zu verdienen und zu konsumieren, damit sich die Räder der Gesellschaft drehen. Carlsen gefällt das nicht – da werde der Menschen „zum Produktionstier“. Was er und seine Kollegen an den Højskolen machten, das sei „prinzipieller Widerstand gegen die Funktionalisierung des Menschen in der modernen Gesellschaft“.

Eine großzügige Auszeit ist in Dänemark nichts besonderes. Wer es sich leisten kann, macht nach der Schule eine einjährige Weltreise, absolviert kulturelle oder soziale Hilfsdienste im Ausland oder besucht für ein halbes Jahr eine Volkshochschule. Manche machen auch beides, Ausland plus lehrreiche Auszeit in der Heimat. Aber woher kommt die Idee, junge Erwachsene in speziellen Landschulen auf einen humanistischen Selbsterfahrungs-Trip zu schicken?

Schnell ist Schulleiter Carlsen beim geistigen Vorvater der Schulen: Nikolaj Frederik Severin Grundtvig, Pastor, Dichter und Historiker, dreimal verheiratet und „dreimal wahnsinnig, total wahnsinnig“, sagt Carlsen. Manisch-depressiv würde man einen wie Grundtvig heute nennen.

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Nikolaj Frederik Severin Grundtvig, Pastor, Dichter und Historiker

Freies Lernen ohne Druck und Paukwissen

Die Højskole war für Grundtvig der Eckstein, auf dem er eine lebenswerte Gesellschaft errichten wollte. Freie Bildung ohne Druck und ohne Paukwissen für alle, stattdessen lernen in einer Gemeinschaft, die auch zusammen lebt. Der Denker wollte vor allem den Geist der Menschen bilden. Seine Ideen klingen wie eine Blaupause für Hippieträumereien des 20. Jahrhunderts – erfunden in Dänemark, dem offiziell glücklichsten Land Europas.

Deutschland ist anders getaktet. Nur noch 12 statt 13 Jahre bis zum Abitur, den Bachelor-Abschluss möglichst in drei Jahren – junge Erwachsene geraten oft in einen Geschwindigkeitsrausch, in dem Pausen nicht als Gewinn, sondern als Störung im Wettlauf Richtung Arbeitsmarkt gelten.

Abgesehen vom Unterricht und den Essenzeiten kann jeder tun und lassen, was er will. Alle Türen sind immer offen. Jeder kann nachts mit seinen Zimmerkollegen in einem Musikraum proben, Fotos in der Dunkelkammer entwickeln, am Lagerfeuer ein Feierabendbier trinken oder einfach nur lesen oder schlafen. Alles gehört allen und ist fast jederzeit verfügbar.

Streng wird Schulleiter Carlsen höchstens, wenn es ums gemeinsame Singen geht. Nach dem Frühstück und nach dem Mittagessen im Speisesaal kommen Schüler und Lehrer zusammen, schlagen dicke blaue Gesangsbücher auf, links vorn klemmt sich der Musiklehrer hinter den Flügel. Natürlich gehört auch dazu eine pädagogische Idee: „Wer singt“, sagt Carlsen, „ist niemals gleichgültig“ – die Grundtvig-Schulen seien ein „organisierter Prozess gegen die Gleichgültigkeit“.

„Ich will mich entwickeln und meine Grenzen verschieben“.

Quelle: Spiegel-Online

Homepage der Testrup Højskole (in Englisch)

Wikipedia-Artikel zu Nikolai Frederik Severin Grundtvig

Und zum Schluss noch Otto: